Eine ruhige Küchenarbeitsfläche im sanften Tageslicht mit einer Schale Tomaten, Radieschen und einer Gurke, einem Vollkornbrot auf einem Holzbrett, einem Wasserkrug mit Glas, einem Leinentuch und einer grünen Pflanze am Fenster

Geschmacksveränderungen unter Behandlung: wenn Essen anders schmeckt und wann du anrufen solltest

Kurz gesagt

Die EU-Produktinformationen einiger Medikamente zum Gewichtsmanagement nennen eine Veränderung des Geschmacks von Essen oder Getränken als mögliche Nebenwirkung (EMA-Produktinformationen). Schmecken und Riechen hängen eng zusammen. Auch viele Dinge im Alltag, etwa eine Erkältung, ein trockener Mund oder andere Medikamente, können verändern, wie Essen schmeckt (MSD Manual; gesund.bund.de).

Sanfte Mundpflege, genug trinken und kleine Änderungen bei den Mahlzeiten können dir helfen, weiter gut zu essen. Sag deiner verordnenden Ärztin oder deinem verordnenden Arzt Bescheid, wenn die Veränderung nicht weggeht oder es dir schwerfällt, regelmäßig zu essen (NHS). Eine Ärztin oder ein Arzt prüft deine Angaben und entscheidet über die Verordnung. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Wie Schmecken funktioniert

Die Geschmacksknospen auf der Zunge erkennen süß, salzig, sauer, bitter und herzhaft (umami). Die Nase erkennt Gerüche. Das Gehirn verknüpft beides. Deshalb brauchen die meisten Aromen Geschmack und Geruch gleichzeitig (MSD Manual).

Ist deine Nase verstopft, zum Beispiel bei einer Erkältung, kann Essen fade wirken. Veränderungen beim Riechen fallen oft zuerst als Veränderungen beim Schmecken auf (MSD Manual; gesund.bund.de).

Warum sich der Geschmack unter Behandlung verändern kann

Die Produktinformationen einiger Medikamente zum Gewichtsmanagement nennen eine Veränderung des Geschmacks von Essen oder Getränken als mögliche Nebenwirkung. Dort steht auch eine veränderte Empfindung der Haut. Die Packungsbeilage deines Medikaments listet alle möglichen Nebenwirkungen auf. Lies sie vollständig und frag in der Apotheke oder ärztlich nach, wenn etwas unklar ist (EMA-Produktinformationen).

Auch andere Ursachen sind häufig. Ein sehr trockener Mund, zu wenig Trinken, starkes Rauchen, Zahnfleischentzündungen, Erkältung und Grippe, niedrige Werte mancher Nährstoffe wie Zink und andere Medikamente, darunter einige Antibiotika, Antidepressiva und entwässernde Mittel (Diuretika), können den Geschmack abschwächen oder verfälschen. Mit dem Alter wird der Geschmackssinn außerdem oft schwächer (MSD Manual).

Ein veränderter Geschmack ist meist kein Zeichen für etwas Ernstes. Es lohnt sich aber, darauf zu achten und es anzusprechen.

Gut für deinen Mund sorgen

Ein trockener Mund kann Geschmacksveränderungen verstärken. Trink über den Tag verteilt regelmäßig kleine Schlucke kaltes Wasser und stell dir nachts Wasser ans Bett. Zuckerfreier Kaugummi oder zuckerfreie Bonbons können helfen, dass sich dein Mund weniger trocken anfühlt (NHS).

Putz dir zweimal täglich die Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta und nutze eine alkoholfreie Mundspülung. Ein trockener Mund macht Karies wahrscheinlicher (NHS). Viel Alkohol, Koffein oder kohlensäurehaltige Getränke können einen trockenen Mund verstärken (NHS).

Erzähl deiner Zahnarztpraxis bei der nächsten Kontrolle von deiner Behandlung und von Veränderungen im Mund.

Mahlzeiten, wenn Essen anders schmeckt

Wasser ist das beste Alltagsgetränk. Sehr Süßes, Salziges und Fettiges bleibt am besten die Ausnahme (DGE). Wenn Essen fade schmeckt, liegt es nahe, mehr Salz oder Zucker zu nehmen. Kräuter und Gewürze sind eine sanftere Art, Geschmack hinzuzufügen.

Manchen hilft es, Speisen bei unterschiedlichen Temperaturen zu probieren, den Mund vor dem Essen mit Wasser auszuspülen oder Lebensmittel mit einer angenehmen Konsistenz zu wählen. Schmeckt ein Lieblingsessen eine Zeit lang seltsam, probier etwas anderes aus derselben Lebensmittelgruppe. Mahlzeiten mit Gemüse, Obst, Vollkorn und Hülsenfrüchten halten dein Essen abwechslungsreich (DGE).

Bei ruhigerem Appetit kann ein veränderter Geschmack dazu führen, dass du weniger isst, als du brauchst. Wenn es dir schwerfällt, regelmäßig zu essen, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Wann du anrufen solltest

Geh in deine Hausarztpraxis oder melde dich bei deiner verordnenden Ärztin oder deinem verordnenden Arzt, wenn Geschmacksprobleme nicht weggehen, wenn es dir schwerfällt, regelmäßig zu essen, wenn dein Mund schmerzt, gerötet, geschwollen ist oder blutet, wenn du wunde weiße Stellen im Mund hast oder wenn du vermutest, dass ein Medikament die Ursache ist (NHS). Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 (116117.de).

Ruf sofort die 112, wenn eine Gesichtshälfte herabhängt, ein Arm sich schwach oder taub anfühlt oder die Sprache verwaschen oder verwirrt klingt. Das können Anzeichen eines Schlaganfalls sein, auch wenn sie nach kurzer Zeit wieder verschwinden (NHS; gesundheitsinformation.de).

Ruf auch die 112 bei Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion, etwa Schwellungen im Gesicht oder im Hals, Atemnot, Benommenheit oder Herzrasen (EMA-Produktinformationen). Der Notruf 112 ist kostenlos und rund um die Uhr erreichbar (gesund.bund.de).

Sag es deiner Ärztin oder deinem Arzt

Gib Veränderungen beim Schmecken oder Riechen, einen trockenen Mund und alle anderen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel im Fragebogen an und sprich sie bei deiner verordnenden Ärztin oder deinem verordnenden Arzt an. Ändere, pausiere oder beende deine Behandlung nicht auf eigene Faust, auch wenn du vermutest, dass sie die Veränderung auslöst (NHS). Deine Ärztin oder dein Arzt entscheidet mit dir, wie es weitergeht.

Eine Ärztin oder ein Arzt prüft deine Angaben und entscheidet über die Verordnung. Vermutete Nebenwirkungen kannst du in Deutschland über das Meldeportal von BfArM und PEI melden.

Was du tun kannst

  • Tu das: über den Tag verteilt regelmäßig Wasser trinken
  • Tu das: zweimal täglich Zähne putzen und eine alkoholfreie Mundspülung nutzen
  • Tu das: Kräuter und Gewürze statt mehr Salz oder Zucker probieren
  • Tu das: Speisen bei unterschiedlichen Temperaturen und mit unterschiedlicher Konsistenz probieren
  • Tu das: deiner verordnenden Ärztin oder deinem verordnenden Arzt Bescheid sagen, wenn Geschmacksveränderungen nicht weggehen oder dir regelmäßiges Essen schwerfällt
  • Tu das: die 112 rufen bei herabhängender Gesichtshälfte, schwachem Arm, verwaschener Sprache oder Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion
  • Lass das: deine Behandlung auf eigene Faust ändern, pausieren oder beenden
  • Lass das: auf viel Alkohol, Koffein oder kohlensäurehaltige Getränke setzen

Häufige Fragen

Hinweis

Dieser Journal-Artikel gibt allgemeine Informationen zu Geschmacksveränderungen während einer verordneten Behandlung zum Gewichtsmanagement. Er ist keine Diagnose, keine Verordnung und kein Versprechen eines Ergebnisses. Deine verordnende Ärztin oder dein verordnender Arzt entscheidet nach einer ärztlichen Prüfung über die Eignung, Dosisänderungen und persönliche Grenzen. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen und medizinische Prüfung

Basiert auf EMA-Produktinformationen, dem MSD Manual zu Geruchs- und Geschmacksstörungen, gesund.bund.de zu Veränderungen beim Schmecken und Riechen, NHS-Informationen zu Mundtrockenheit, Zahnpflege und Anzeichen eines Schlaganfalls, den IQWiG-Gesundheitsinformationen zu Anzeichen eines Schlaganfalls, den Ernährungsempfehlungen der DGE, gesund.bund.de zum Notruf, dem ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117 und dem Meldeportal für Nebenwirkungen. Nur zur Information, keine individuelle medizinische Beratung. Ärztliche Prüfung ausstehend.