Schwindel unter Behandlung: was dir Halt gibt und wann du anrufen solltest
Manchen Menschen wird während einer ärztlich verordneten Behandlung zum Gewichtsmanagement schwindlig. Hier findest du ruhige, praktische Tipps zu Aufstehen, Trinken, Mahlzeiten und Diabetes sowie klare Zeichen, wann du ärztlichen Rat holen oder die 112 anrufen solltest.
- Schwindel
- Benommenheit
- Nebenwirkungen
- Alltagsgewohnheiten
- Ärztliche Prüfung
Kurz gesagt
Manchen Menschen wird während einer ärztlich verordneten Behandlung zum Gewichtsmanagement mit einer wöchentlichen Injektion oder täglichen Tablette schwindlig oder sie fühlen sich benommen. Oft hängt das mit schnellem Aufstehen, zu wenig Trinken, langen Pausen ohne Essen oder, bei Menschen mit Diabetes, mit Unterzuckerung zusammen. Langsames Aufstehen, regelmäßiges Trinken und kleine, regelmäßige Mahlzeiten helfen oft.
Nimm deine Behandlung weiter wie verordnet und sag deinem Behandlungsteam Bescheid, wenn der Schwindel neu ist, immer wiederkommt oder dich beunruhigt. Eine Ärztin oder ein Arzt prüft deine Angaben und entscheidet über die Verordnung. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei schweren Nebenwirkungen wende dich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder im Notfall an die 112.
Wie sich Schwindel anfühlen kann
Schwindel kann heißen, dass du dich unsicher, benommen oder einer Ohnmacht nahe fühlst, oder dass du das Gefühl hast, dass du selbst oder der Raum sich dreht (Drehschwindel). Schwindel ist häufig, meist nicht ernst und geht oft von selbst vorbei (NHS).
In der EU-Produktinformation dieser Medikamente gehört Schwindel zu den häufigen Nebenwirkungen. Bei einigen ist auch niedriger Blutdruck aufgeführt. Die Produktinformation einiger dieser Medikamente weist darauf hin, dass Schwindel vor allem in der Phase auftreten kann, in der die Dosis gesteigert wird (EMA-Produktinformation).
Schwindel hat außerdem viele Ursachen, die nichts mit der Behandlung zu tun haben, zum Beispiel eine Ohrentzündung, Migräne, Stress oder Angst oder eine Blutarmut durch Eisenmangel (NHS). Wenn er immer wieder auftritt, kann eine Ärztin oder ein Arzt helfen, die Ursache zu finden (AWMF-Leitlinie Schwindel).
Häufige Auslöser im Alltag
Wenn du plötzlich aufstehst oder dich aufsetzt, kann der Blutdruck kurz abfallen. Fachleute nennen das orthostatische Hypotonie. Typisch sind Schwindel, Sehstörungen und Benommenheit kurz nach dem Aufstehen. Hinsetzen oder Hinlegen lindert die Beschwerden meist rasch (gesund.bund.de; NHS).
Auch zu wenig Trinken kann schwindlig machen. Zeichen von Austrocknung sind Durst, dunkelgelber Urin, seltener Wasserlassen als sonst, Müdigkeit und ein trockener Mund (NHS). Die EMA-Produktinformation weist darauf hin, dass Übelkeit, Erbrechen und Durchfall zu Flüssigkeitsverlust führen können, der in seltenen Fällen die Nierenfunktion beeinträchtigen kann. Genug zu trinken ist deshalb wichtig, besonders wenn dein Magen verstimmt ist (EMA-Produktinformation).
Wenn dein Appetit ruhiger ist, können lange Pausen ohne Essen dazu führen, dass du dich schwach oder zittrig fühlst. Kleine, regelmäßige Mahlzeiten können bei Beschwerden durch niedrigen Blutdruck helfen (NHS).
Wenn du Diabetes hast
Unterzuckerung (Hypoglykämie) ist bei Menschen ohne Diabetes selten. Vor allem betroffen sind Menschen, die bestimmte blutzuckersenkende Diabetes-Medikamente nehmen (NHS). Anzeichen sind Hunger, Schwindel, Zittern, Schwitzen, Unruhe oder Gereiztheit, Müdigkeit oder Schwäche, verschwommenes Sehen, Herzklopfen und Verwirrtheit (NHS).
Die EMA-Produktinformation weist darauf hin, dass das Risiko für Unterzuckerung höher sein kann, wenn diese Behandlungen mit bestimmten Diabetes-Medikamenten kombiniert werden, und dass deren Dosis dann eventuell gesenkt werden muss (EMA-Produktinformation). Gib im Fragebogen alle deine Diabetes-Medikamente an. Halte dich an den Plan, den du mit deinem Diabetes-Team vereinbart hast, und miss deinen Blutzucker, wenn du Beschwerden hast und messen kannst. Ändere deine Diabetes-Medikamente nicht auf eigene Faust.
Lass möglichst keine Mahlzeiten aus und schieb sie nicht lange auf. Trink keinen Alkohol, ohne etwas zu essen (NHS).
Wenn dir schwindlig ist
Setz oder leg dich hin, bis das Gefühl vorbei ist, und steh dann langsam auf. Beweg dich langsam und vorsichtig, ruh dich aus und trink etwas Wasser. Verzichte auf Kaffee, Alkohol und Rauchen, solange dir schwindlig ist (NHS).
Wenn du merkst, dass du ohnmächtig werden könntest, leg dich hin und lagere die Beine hoch. Wenn das nicht geht, setz dich und senke den Kopf zwischen die Knie (NHS).
Fahr kein Auto, steig auf keine Leiter und bediene keine Maschinen, solange dir schwindlig ist (NHS). Auch die EMA-Produktinformation rät bei Schwindel zur Vorsicht beim Autofahren und beim Bedienen von Maschinen (EMA-Produktinformation).
Kleine Gewohnheiten, die helfen können
Steh schrittweise auf: vom Liegen zum Sitzen und dann zum Stehen, besonders morgens. Es kann auch helfen, vor dem Aufstehen die Wadenmuskeln anzuspannen und wieder zu lockern (gesund.bund.de; NHS).
Trink regelmäßig über den Tag verteilt, am besten Wasser oder ungesüßten Tee (DGE). Trink mehr, wenn du schwitzt, wenn es heiß ist oder wenn dein Magen verstimmt ist (NHS). Wenn du dich übergibst oder Durchfall hast, sind kleine Schlucke oft leichter. In der Apotheke kann man dich zu Elektrolyt-Lösungen zum Trinken beraten (NHS).
Vermeide langes Stillstehen und plötzliches Bücken und sei zurückhaltend mit Alkohol (NHS). Eine kurze Notiz, wann der Schwindel auftritt, was du vorher gegessen und getrunken hast und wie lange er anhält, kann beim nächsten Arztbesuch helfen.
Wann du ärztlichen Rat holen solltest
Geh zu deiner Ärztin, deinem Arzt oder in deine Hausarztpraxis, wenn der Schwindel immer wiederkommt oder nicht weggeht, wenn du ohnmächtig geworden bist, wenn du Veränderungen beim Hören oder Ohrgeräusche bemerkst oder wenn der Schwindel mit Kopfschmerzen oder Übelkeit einhergeht (NHS). Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 (116117.de). Deine Hausarztpraxis bleibt ein wichtiger Teil deiner Versorgung.
Melde dich bei deinem Behandlungsteam, wenn dir beim Aufstehen schwindlig ist und das nicht weggeht, wenn du Anzeichen von Austrocknung hast, anhaltend erbrichst oder Durchfall hast oder keine Flüssigkeit bei dir behalten kannst (NHS; EMA-Produktinformation). Bei schweren Nebenwirkungen wende dich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder im Notfall an die 112.
Ruf sofort die 112 an, wenn der Schwindel zusammen mit plötzlicher Schwäche oder Taubheit in Gesicht, Arm oder Bein, verwaschener oder verwirrter Sprache, plötzlichem Sehverlust oder plötzlichen starken Kopfschmerzen auftritt. Das können Anzeichen eines Schlaganfalls sein, auch wenn sie wieder aufhören (NHS; gesund.bund.de).
Ruf auch die 112 an, wenn jemand ohnmächtig geworden ist und nicht aufzuwecken ist, sich nicht vollständig erholt, Brustschmerzen oder starkes oder unregelmäßiges Herzklopfen hat, einen Krampfanfall hat oder beim Sport oder im Liegen ohnmächtig geworden ist (NHS). Wenn ein Mensch mit Diabetes möglicherweise stark unterzuckert ist und nicht normal reagiert oder bewusstlos ist, ruf die 112 an und gib ihm nichts zu essen oder zu trinken (NHS).
Behalte deinen gewohnten Behandlungstag oder deine gewohnte Uhrzeit bei, wie in der Packungsbeilage beschrieben, und ändere, pausiere oder verdopple keine Dosis ohne Rat deiner verordnenden Ärztin, deines verordnenden Arztes oder deiner Apotheke (EMA-Produktinformation). Eine Ärztin oder ein Arzt prüft deine Angaben und entscheidet über die Verordnung. Vermutete Nebenwirkungen kannst du in Deutschland über das Meldeportal von BfArM und PEI melden.
So gehst du vor
Praktische Schritte für ruhigere, stabilere Tage.
- Tu: langsam aufstehen, vom Liegen zum Sitzen zum Stehen
- Tu: regelmäßig über den Tag trinken, und mehr, wenn du schwitzt oder dein Magen verstimmt ist
- Tu: kleine, regelmäßige Mahlzeiten essen statt lange nichts zu essen
- Tu: dich sofort hinsetzen oder hinlegen, wenn dir schwindlig wird
- Tu: bei Diabetes den Blutzucker messen, wenn du Beschwerden hast und messen kannst
- Tu: deinem Behandlungsteam Bescheid sagen, wenn der Schwindel neu ist, wiederkommt oder dich beunruhigt
- Lass: Autofahren, Leitern und Maschinen, solange dir schwindlig ist
- Lass: eine Dosis ändern, pausieren oder verdoppeln ohne ärztlichen Rat
- Bei Schwindel mit plötzlicher Schwäche, Taubheit, Sprach- oder Sehstörungen oder bei Ohnmacht mit Brustschmerzen: sofort die 112 anrufen
Häufige Fragen
Hinweis
Dieser Journal-Artikel bietet allgemeine Informationen zu Schwindel und Benommenheit während einer ärztlich verordneten Behandlung zum Gewichtsmanagement. Er ist keine Diagnose, keine Verordnung und kein Versprechen eines Ergebnisses. Deine verordnende Ärztin oder dein verordnender Arzt entscheidet nach klinischer Prüfung über Eignung, Dosisänderungen und persönliche Grenzen. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen und medizinische Prüfung
Basiert auf EMA-Produktinformationen, NHS-Informationen zu Schwindel, niedrigem Blutdruck, Austrocknung, Unterzuckerung, Ohnmacht und Schlaganfall, Informationen von gesund.bund.de zu Blutdruckabfall beim Aufstehen und zu Schlaganfall, dem ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117, DGE-Hinweisen zum Trinken, den deutschen Leitlinien zu Schwindel und Adipositas und dem Meldeportal für Nebenwirkungen. Nur zur Information, keine individuelle medizinische Beratung. Ärztliche Prüfung ausstehend.
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Arzneimittelsuche, Produktinformation (EPAR)
- NHS: Schwindel (englisch)
- NHS: Niedriger Blutdruck (englisch)
- NHS: Austrocknung (englisch)
- NHS: Unterzuckerung (englisch)
- NHS: Ohnmacht (englisch)
- NHS: Anzeichen eines Schlaganfalls (englisch)
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie)
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Schlaganfall
- 116117.de: ärztlicher Bereitschaftsdienst
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): FAQ zu Wasser und Trinken
- AWMF: Leitlinie Schwindel in der Hausarztpraxis (053-018)
- AWMF: S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas (050-001)
- BfArM/PEI: Nebenwirkungen melden (nebenwirkungen.bund.de)