Ist Adipositas eine Krankheit? Was dahintersteckt und warum es nicht um Willenskraft geht
Adipositas ist mehr als ein paar Kilo zu viel: Fachgesellschaften sehen sie als chronische Erkrankung mit vielen Ursachen. Was das bedeutet, wie sie festgestellt wird und welche gesundheitlichen Folgen sie haben kann.
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Kurz gesagt
Die Weltgesundheitsorganisation und die Deutsche Adipositas-Gesellschaft ordnen Adipositas als chronische Erkrankung ein. Sie entsteht aus einem Zusammenspiel von Genen, Hormonen, Umgebung, Schlaf, Stress und Lebensumständen, nicht aus mangelnder Disziplin.
Diese Sicht verändert auch die Behandlung: weg von kurzfristigen Diäten, hin zu einem langfristigen, medizinisch fundierten Umgang mit dem eigenen Gewicht.
Wie Adipositas festgestellt wird
Im Alltag wird meist der Body-Mass-Index genutzt: Ab einem BMI von 25 spricht man von Übergewicht, ab 30 von Adipositas. Der BMI ist aber nur ein grober Anhaltspunkt. Er unterscheidet nicht zwischen Muskeln und Fett und sagt nichts darüber, wo das Fett sitzt.
Deshalb werden oft weitere Werte hinzugezogen, etwa der Taillenumfang, Blutdruck, Blutzucker- und Blutfettwerte. Bauchfett gilt als besonders relevant für den Stoffwechsel.
Viele Ursachen, keine Schuldfrage
Das Körpergewicht wird von einem komplexen System aus Hormonen und Signalen zwischen Darm, Fettgewebe und Gehirn gesteuert. Bei manchen Menschen ist dieses System stärker darauf eingestellt, Gewicht zu halten oder aufzubauen. Genetische Veranlagung spielt dabei eine große Rolle.
Dazu kommen Faktoren wie Schlafmangel, Stress, bestimmte Medikamente, hormonelle Veränderungen und ein Umfeld, in dem energiereiches Essen jederzeit verfügbar ist. Und der Körper wehrt sich gegen Gewichtsverlust, indem er Hunger verstärkt. Das erklärt, warum Diäten so oft nicht dauerhaft funktionieren.
Mögliche gesundheitliche Folgen
Adipositas kann das Risiko für eine Reihe von Erkrankungen erhöhen. Nicht jede Person mit Adipositas entwickelt sie, und schon eine moderate Gewichtsreduktion kann sich positiv auswirken. Dazu gehören unter anderem:
- Typ-2-Diabetes und Vorstufen davon
- Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Schlafapnoe
- Fettleber
- Gelenkbeschwerden, etwa in Knien und Hüften
- Psychische Belastung, oft verstärkt durch Stigmatisierung
Warum die Einordnung als Krankheit hilft
Viele Menschen mit Adipositas haben jahrelang gehört, sie müssten sich nur mehr anstrengen. Die Einordnung als chronische Erkrankung nimmt diesen Druck heraus und öffnet den Blick für wirksame Unterstützung: Ernährung, Bewegung, Verhaltenstherapie und je nach Situation Medikamente oder eine Operation.
Wie bei anderen chronischen Erkrankungen geht es dabei um einen langfristigen Umgang, nicht um eine schnelle Lösung.
Hinweis
Dieser Journal-Beitrag bietet allgemeine Informationen. Er ist keine Diagnose, keine Verordnung und kein Versprechen eines Ergebnisses. Ob eine Behandlung für dich infrage kommt, entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt nach Prüfung deines Fragebogens. Bei akuten oder starken Beschwerden wende dich an deine Hausarztpraxis, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder im Notfall an die 112.
Quellen und medizinische Prüfung
Grundlage sind die Einordnung der Weltgesundheitsorganisation und die S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Medizinische Prüfung ausstehend.
- Weltgesundheitsorganisation: Obesity and overweight, Faktenblatt
- S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas (Deutsche Adipositas-Gesellschaft)